15. April 2021
Filialen gemeinsam nutzen klingt nach Effizienz. Doch geteilte Räume lösen nur dann Probleme, wenn sie auch gemeinsam gedacht werden. Co-Banking zeigt, wie Filialen neu interpretiert werden können – und wo halbe Lösungen an Grenzen stoßen.
Bei den sogenannten Finanzpunkten handelt es sich um ein gemeinsames Projekt der Volksbank Frankfurt und der Taunus-Sparkasse. Ziel ist es, regionale Filialstandorte kosteneffizient zu betreiben, indem Gebäude gemeinsam genutzt werden.
„Gemeinsam“ bedeutet in der Praxis jedoch nicht gleichzeitige Nutzung, sondern zeitlich wechselnde Präsenz. An manchen Tagen tritt die Filiale im Erscheinungsbild der Volksbank auf, an anderen im Design der Sparkasse.
Für Kunden bedeutet dieses Modell Einschränkungen. Es kann vorkommen, dass ein Kunde nicht bedient werden kann, weil „heute die andere Bank dran ist“.
Aus organisatorischer Sicht ist nachvollziehbar, dass Wettbewerber nicht vollständig verschmelzen. Doch aus Kundensicht stellt sich die Frage nach der tatsächlichen Effizienz.
Ist es sinnvoll, in einem gemeinsamen SB-Bereich alle Automaten doppelt vorzuhalten?
Oder entstehen hier neue Redundanzen, während an anderer Stelle gespart wird?
Trotz dieser Einschränkungen bleibt das Finanzpunkt-Modell ein wichtiger Schritt. Eine Filiale vor Ort zu erhalten ist immer besser, als sie vollständig zu schließen. Und halbe Öffnungszeiten sind besser als keine.
Gleichzeitig zeigt sich hier das eigentliche Potenzial: Nicht die halbe Lösung, sondern die konsequent gedachte Weiterentwicklung entscheidet über den Erfolg. Volle Öffnungszeiten – idealerweise sogar über die klassischen Zeiten hinaus – bleiben ein zentrales Bedürfnis.
Digitale Service-Touchpoints können genau hier ansetzen.
Unsere Software ist so konzipiert, dass ein physischer Touchpoint mehrere Service-Center anbinden kann. Betritt ein Kunde eine Video-Service-Kabine, wählt er einfach sein Institut aus – unabhängig davon, ob die Umgebung gerade rot oder blau-orange gestaltet ist.
Kund:innen werden direkt mit den Ansprechpartner:innen ihrer Bank verbunden. Fehlbedienungen aufgrund wechselnder Zuständigkeiten entfallen. Gleichzeitig reduzieren sich Kosten auf Institutsseite, ohne Service einzuschränken.
Das Konzept kann weitergedacht werden.
Banken betreiben Tochtergesellschaften, etwa im Immobilienbereich. Auch diese lassen sich anbinden. Ebenso denkbar ist die Integration weiterer regionaler Stellen, beispielsweise eines Bürgerbüros oder anderer öffentlicher Services.
So entsteht aus einem reinen Bank-Servicepunkt eine zentrale Anlaufstelle für die Region. Wenn Kunden ohnehin vor Ort sind, eröffnen sich zusätzliche Berührungspunkte – auch für Beratungsgespräche.
Filialen bleiben relevant – nicht nur für weniger digital affine oder mobile Bevölkerungsgruppen. Auch digital versierte Kund:innen nutzen Filialen situativ.
Gleichzeitig stehen Banken unter wirtschaftlichem Druck. Filialschließungen sind oft nachvollziehbar, aber nicht alternativlos.
Die Herausforderung liegt darin, Filialen neu zu denken: als hybride Serviceorte, die physische Präsenz und digitale Reichweite verbinden. Mit dem Finanzpunkt-Modell wurde ein erster Schritt gemacht. Digitale Services können diesen Ansatz sinnvoll ergänzen.
Co-Banking ist ein richtiger Ansatz, wenn er konsequent umgesetzt wird.
Gemeinsam genutzte Filialen entfalten ihr Potenzial erst dann vollständig, wenn Prozesse, Zuständigkeiten und digitale Services mitgedacht werden.
Filialen müssen nicht verschwinden – sie müssen sich verändern. Und genau darin liegt ihre Zukunft.
Ein gemeinsam genutzter Filialstandort mehrerer Banken zur Reduktion von Fixkosten.
Erhalt regionaler Präsenz bei geringeren Betriebskosten.
Wechselnde Zuständigkeiten und doppelte Infrastruktur können Effizienz mindern.
Sie ermöglichen klare Zuordnung, höhere Erreichbarkeit und bessere Auslastung von Standorten.
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